Gipfelausbau Matterhorn glacier paradise
Jährlich besuchen rund 550'000 Gäste aus der ganzen Welt den
atemberaubenden Aussichtspunkt Matterhorn glacier paradise. Bis jetzt
erwartete die Besucher eine kleine, provisorische
Verpflegungsmöglichkeit, ein Minimum an sanitären
Installationen und je nach Schuhwerk unpassierbare Wege über Schnee
und Eis zum Eingang des Gletscher-Palastes. Dies entspricht in keiner
Weise dem heutigen Gästebedürfnis: will ein Gast diesen
Ausflug unternehmen, erwartet er auf 3'883 m.ü. M.
etwas Spezielles
und Einzigartiges.
Deshalb wird auf der höchsten Bahnstation Europas erneut gebaut:
auf dem faszinierenden Peak wird diesen Sommer ein schönes
Restaurant mit Bergsteigerunterkunft und Shop gebaut. In diesem
Restaurant integriert sind auch sanitäre Anlagen- mit einer
autonomen Kläranlage.
Die Zermatt Bergbahnen haben vorab zum Gletscher-Palast einen neuen,
bequemen und somit wettergeschützten Zugang mit zwei
Personenaufzügen gebaut, mit welchen der Palast unterirdisch
erreicht werden kann.
Europas erstes Restaurant im Minergie P Standard
Im Sommer 2008 wird ein modernes Restaurant, das "Glacier restaurant",
mit 120 Sitzplätzen, gepflegten sanitären Anlagen sowie eine
Unterkunft für 40 Alpinisten und das Aussichtsfenster "Peak gate"
Richtung Breithorn gebaut. Das "Glacier restaurant" mit den
Bergsteigerunterkünften wird im Minergie P Standard (höchster
Energiestandard) ausgeführt. Eine spezielle Kläranlage, die
höchstgelegene der Alpen, wird für eine umweltgerechte
Aufbereitung der Abwässer sorgen. Die ganze Front des Gebäudes
wird mit Sonnenkollektoren bestückt, welche auf dieser Höhe
bei gleicher Fläche nahezu doppelt soviel Energie erzeugen wie im
Unterland. Für die Beheizung dieses Gebäudes ist keine
Fremdenergie notwendig, dazu wird die Energie der Sonneneinstrahlung
genutzt und gespeichert.
Aussenansicht Matterhorn glacier paradise
Innenansicht Glacier restaurant
Energie- und Wasserversorgung
Die Gebäudetechnik für das Restaurant mit Schlafstellen auf
Matterhorn glacier paradise geht neue Wege im Umgang mit den knappen
Ressourcen Energie und Wasser. Im hochalpinen Klima soll der
Energiebedarf über die Sonne gedeckt werden, und das
hinauftransportierte Wasser soll sorgsam verbraucht und gereinigt der
Umwelt wieder abgegeben werden. Das Ziel für das Gebäude war
möglichst alle Stoffkreisläufe zu schliessen, d.h. Verluste zu
minimieren.
Energieversorgung vorwiegend durch die Sonne
Die Energieversorgung erfolgt durch die fassadenintegrierte
Fotovoltaikanlage. Durch die konsequente Ausrichtung der Hauptfassade
noch Süden und deren Neigung von rund 70° erzielt die Anlage
einen hohen Ertrag. Fotovoltaikanlagen im hochalpinen Raum ernten durch
die klare Luft und der Reflexion der Umgebung (Schnee) wesentlich mehr
Strom als vergleichbare Anlage im Mittelland. Um den Energieertrag noch
weiter zu steigern, wird die Solarfassade hinterlüftet. Die kalte
Aussenluft wird aus dem Zugangsstollen gefasst und in die
Hinterlüftung der Fassade geleitet. Dadurch wird die Solarfassade
gekühlt, was einen positiven Effekt auf deren Wirkungsgrad hat, und
die Aussenluft wird zugleich erwärmt. Diese erwärmte
Aussenluft wird den Lüftungsanlagen Restaurant und Küche
zugeführt. Mit der erwärmten Aussenluft wird ein Teil des
Heizenergiebedarfs des Gebäudes abgedeckt.
Die grosszügigen Fenster in Kombination mit einer guten
Wärmedämmung an der Gebäudehülle ermöglichen
die Nutzung passiver Solargewinne. Die Lüftungsanlagen wälzen
die eingefallene Solarenergie im Fassadenbereich um und verteilen diese
im ganzen Gebäude. Diese thermischen Gewinne werden auch mittels
der Wärmerückgewinnung zur Vorwärmung der kalten
Aussenluft verwendet. Die passive Energiegewinnung und die
Wärmeabgabe der Gäste liefern einen wesentlichen Beitrag zur
Deckung des Raumheizungsbedarfs.
Der restliche Heizenergiebedarf, welcher weder durch die Solarfassade
noch durch die passiven Energiegewinne gedeckt werden kann, wird mittels
einer Wärmepumpe aufbereitet. Die Wärmepumpe nutzt dabei den
verbleibenden Wärmeinhalt der Abluft aus den Lüftungsanlagen.
Somit ist die Luft, welche der Umgebung wieder abgegeben wird, im
gleichen Zustand, wie sie aus dem Zugangsstollen angesaugt wurde - der
Stoffkreislauf ist geschlossen.
Die elektrische Energie für die Gebäudetechnik, d.h.
Wärmepumpe, Ventilatoren, Heizungspumpen, etc. wird durch die
fassadenintegrierte Fotovoltaikanlage bereitgestellt. Die
Fotovoltaikanlage nutzt das vorhandene Stromnetz der Bergbahnen als
"Speicher" und gibt die Überproduktion diesem Stromnetz ab.
Kann die Fotovoltaikanlage nicht genügend Elektrizität
liefern, z.B. an bewölkten Tagen oder in der Nacht, kann die zuvor
abgegebene Überproduktion wieder aus dem Netz der Bergbahnen
bezogen werden - in der Jahresbilanz liefert die Fotovoltaikanlage mehr
Energie als für die Gebäudetechnik gebraucht wird.
Wasserver- und entsorgung
Auf dem Hohtälli wird bereits seit 2 Jahren mit einer
Kläranlage gearbeitet. Dies hat sich so gut bewährt, dass
dieses System nun auch auf Matterhorn glacier paradise eingesetzt wird.
Somit wird die höchste Kläranlage der Welt enstehen!
Das Trinkwasser muss mit der Bahn von Trockener Steg transportiert
werden. Es liegt daher in der Natur der Sache, dass damit sorgsam
umgegangen wird, bzw. die Ressource Wasser mehrfach genutzt wird. Wird
das Trinkwasser im Bereich Küche, zum Hände waschen oder
Duschen gebraucht, wird das anfallende Abwasser gesammelt und mittels
einer mikrobiologischen Kläranlage aufbereitet. Das aufbereitete
Grauwasser kann nun für die Toilettenspülung genutzt werden.
Überschüssiges Abwasser wird gereinigt, in einer
"Badewasserqualität", der Umwelt in den natürlichen
Wasserkreislauf zurückgegeben.
Die geklärten Feststoffe werden in separaten Gebinden gesammelt und
mittels Bergbahn ins Tal gebracht. Dieser natürliche innerte Stoff,
kann der Zermatter ARA zur umweltgerechten Entsorgung abgegeben werden -
auch hier wird der Stoffkreislauf geschlossen.
Das Warmwasser wird gleich wie die Heizenergie über die
Wärmepumpen aus der Abluft der Lüftungsanlagen aufbereitet.
Die notwendige elektrische Energie für die Wärmepumpen wird
ebenfalls aus der fassadenintegrierten Fotovoltaikanlage gewonnen.
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